Nachruf auf Dr. Livingstone Mpalanyi Nkoyoyo

Veröffentlicht am Freitag, den 02.02.2018

R.I.P. Dr. Livingstone Mpalanyi Nkoyoyo

R.I.P. Dr. Livingstone Mpalanyi Nkoyoyo

Liebe Freunde von KiA und der CHAIN Foundation,

heute muss ich euch eine sehr traurige Nachricht bringen:

Am Freitag, den 5. Januar 2018 bekam ich die Nachricht von CHAIN-Leiter Stone, dass der Gründer der CHAIN Foundation gestorben ist. Er wäre dieses Jahr 80 Jahre alt geworden.
Dr. Livingstone Mpalanyi Nkoyoyo hat als Erzbischof der anglikanischen Kirche in Uganda und weiter in seinem Ruhestand auf viele Menschen in Uganda und in der ganzen Welt einen starken und bleibenden Eindruck hinterlassen.

Zu seinem Andenken wurden eine Woche lang sechs große Trauerfeiern organisiert. Als ich von seinem Tod erfahren habe, bin ich kurzfristig nach Uganda geflogen und konnte vier Trauerfeiern beiwohnen.
Der Präsident Ugandas hatte ein Staatsbegräbnis ausgerufen und dazu alle Christen im Land eingeladen. Der Staat hat alle Kosten für die Zelte, Stühle und das Catering übernommen. Sowohl der Präsident als auch der Vizepräsiedent hielten bewegende und lobende Reden bei den Trauerfeiern und der Beerdigung.

Es wurde deutlich, wie sehr unser Erzbischof im ganzen Volk geliebt ist. Tausende Menschen pilgerten zu den Veranstaltungen, um Abschied zu nehmen von “Taata”, einem Vater des Landes.
Abwechselnd wurden Reden gehalten, gebetet, gesungen und Verse aus der Bibel gelesen.
In den vielen Reden wurde immer wieder deutlich, dass Nkoyoyo ein großer Mann Gottes und starker Leiter war und gleichzeitig demütig bei den einfachen Menschen blieb. Er verstand es sowohl, mit wichtigen Würdenträgern (wie dem Präsidenten oder Papst Franziskus) gute Beziehungen zu halten und wurde von ihnen hoch geachtet als auch den ärmsten der Armen mit Liebe, Achtung und Annahme zu begegnen.

Er war ein Visionär und Hoffnungsgeber und hat sein Leben dazu genutzt, viele gute Werke zu gründen. Die CHAIN Foundation ist nur Eines von Vielen.

Eine Trauerveranstaltung fand auf seinem Grundstück statt. Joshua, ein ehemaliges Heimkind, kam zu mir und nahm mich an die Hand. Sehr viele der späteren Heimkinder haben eine Zeit lang mit dem Erzbischof und seiner Frau Maama Ruth in ihrem Haus gewohnt. Nkoyoyos Wunsch war es, diesen abseits der Gesellschaft lebenden Kindern (Straßenkinder, Diebe, Kinderarbeiter) die Chance zu geben, wenigstens für eine kurze Zeit ein Familienleben zu erleben. Joshua nahm mich an die Hand und führte mich übers Gelände und den Innenhof und brachte mich zu einer Gruppe von jungen Menschen, die alle durch Nkoyoyo aufgenommen und in CHAIN eine Heimat und Familie gefunden haben.

Es berührte mich sehr, zu sehen, wie sie in dieser Trauerzeit als Geschwister zusammenhalten und sich gegenseitig trösten.

Der Strom von Besuchern hörte nicht auf. Viele hatten ihre Matten dabei, um die Nacht draußen unter freiem Himmel zu übernachten und somit in der Nähe von Maama Ruth und ihrer Familie zu sein und ihnen in den Tagen bis zur Beerdigung beizustehen.

Bei Nkoyoyos Beerdigung waren viele große Kirchenleiter aus allen verschiedenen Kirchen Ugandas anwesend. Auch der oberste Leiter der muslimischen Gemeinde hielt eine sehr wertschätzende Rede. Der Erzbischof war ein Mann der Verbindung und er versuchte nach Möglichkeit mit jedem Frieden zu halten.
Das Gelände, auf dem er beerdigt wurde, ist seit vielen Jahren eine Gedenkstätte, an der Märtyrern gedacht wird, die dort um ihres Glaubens Willen verbrannt wurden. Nkoyoyos eigener Großvater wurde dort kurz vor seiner Verbrennung auf Geheiß des damaligen Königs verschont, da sich dieser an seine guten Taten erinnerte. Jedes Jahr am 03.06. pilgern Menschen aus aller Welt dorthin um der Glaubensväter zu gedenken und ein Zeichen zu setzen gegen Diskriminierung und Verfolgung. Der verstorbene Erzbischof selber arbeitete unter Verfolgung als Evangelist in der schwierigen Zeit während des Regimes von Idi Amin.

Am Tag nach der Beerdigung durfte ich Maama Ruth besuchen. Sie saß zusammen mit acht ihrer Freundinnen auf dem Fußboden im Wohnzimmer. Alle Möbel waren entfernt worden, um zu ermöglichen, dass ihre Freundinnen mit ihr auf dem Teppich schlafen konnten und sie so in den dunklen Stunden der Nacht zu trösten. Wir haben eine Zeitlang zusammengesessen, zusammen geweint und schöne Erinnerungen geteilt.

Mehrmals durfte ich in den letzten Jahren in ihrem Hause wohnen, wenn ich in Uganda war. Mehr als 30 Gäste, die ich durch die Jahre mitbrachte wurden mindestens einmal zum Dinner eingeladen. Immer fand man dort Kinder aus dem Heim, aus dem Slum von Kampala oder Jugendliche, denen Taata und Maama Ruth Obdach gaben.

Wir werden Nkoyoyos ruhige Stimme, seine freundlichen Worte, seinen Gesang und Tanz, seine kraftvollen Gebete, sein Lachen, seine Witze und seine Freude mit den Kindern sehr vermissen.

Wir von CHAIN und KiA möchten das gute Werk, das er begonnen hat, fortsetzen.
Wir wünschen der Familie viel Kraft in dieser schwierigen Zeit!
Eure “Maama Chain” Gerda

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